veradee (veradee) wrote,
veradee
veradee

  • Mood:

Frohe Ostern!

Ich hatte mich spontan entschlossen, auch noch etwas Kleines zu Ostern zu schreiben. Wie ich jetzt ausgerechnet auf diese merkwürdige Idee gekommen bin, weiß ich allerdings schon nicht mehr.


Titel: Komplimente erhalten die Freundschaft
Inhalt: Thiel erscheint nicht unvorbereitet zu Boernes Osterfrühstück.
Länge: ca. 650 Wörter
Genre: Freundschaft, Humor
Rechtserklärung: Thiel und Boerne gehören dem WDR. Ich habe sie mir nur mal kurz ausgeliehen.



Komplimente erhalten die Freundschaft


„Forsythie, gelb. Weidenkätzchen, flauschig“, murmelte Thiel, als er seine Wohnungstür hinter sich zuzog und zu Boernes Wohnung hinüberging. „Korkenzieherweide. Gedreht wie Korkenzieher. Logisch. Holzfiguren, Erzgebirge.“ Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Hoffentlich würde alles glattgehen.

Er erinnerte sich noch allzu gut an das Weihnachtsessen, zu dem Boerne ihn eingeladen hatte. Es war ihm wohl nicht gelungen, zu verbergen, dass ihm Boernes Weihnachtsschmuck nicht zugesagt hatte, und zu allem Überfluss hatte er auch noch den echten Christstern für künstlich gehalten. Dann hatte er Boernes betrübten Blick gesehen, und es hatte ihm mit einem Mal Leid getan, dass er dessen dekorative Bemühungen nicht zu schätzen gewusst hatte.

Doch diesmal würde ihm das nicht passieren. Für das Osterfrühstück bei Boerne war er gewappnet, was Schmuck und Komplimente anging.

Entschlossen drückte Thiel auf den Klingelknopf.

„Frohe Ostern“, begrüßte ihn Boerne.

„Frohe Ostern“, erwiderte Thiel und trat ein, innerlich auf einen Farbschock eingestellt.

Aber nichts war zu sehen. Kein geschmückter Strauß auf der Kommode, kein Osterei, das am Garderobenspiegel baumelte, kein Osterhase, der vorwitzig hinter dem Schirmständer hervorlugte.

Und im Esszimmer dasselbe Bild. Kein Strauß, kein Ei, kein Hase, kein nichts.

Thiel versuchte noch einmal, unauffällig in alle Ecken zu gucken, aber es blieb dabei. Keine Dekoration weit und breit.

„Suchen Sie etwas?“ Boerne war hinter ihn getreten, eine Kaffeekanne in der Hand.

Offensichtlich war er nicht unauffällig genug gewesen. „Wieso–“, begann Thiel. „Wo ist denn–?“

„Der Osterschmuck?“, erriet Boerne seine Gedanken.

Thiel nickte. Ihn beschlich langsam das Gefühl, dass das Osterfrühstück nicht weniger peinlich ablaufen würde als das Weihnachtsessen.

Boerne stellte die Kanne auf dem Tisch ab, bevor er antwortete: „Naja, es ist mir natürlich nicht entgangen, dass Sie meine Weihnachtsdekoration etwas zu üppig fanden, und deshalb nahm ich an, ich würde Ihnen eine Freude bereiten, wenn ich mich zu Ostern zurückhalte.“

„Wie nett, danke“, antwortete Thiel automatisch, hörte aber selbst, wie wenig enthusiastisch seine Stimme klang.

Boerne sah ihn prüfend an. „Was denn, Thiel? Sie sehen ja fast ein bisschen enttäuscht aus. Hatten Sie etwa gehofft, dass ich meine Wohnung dekorieren würde?“

„Irgendwie schon“, murmelte Thiel und konnte selbst kaum glauben, was er da gerade sagte.

„Und an was hatten Sie da gedacht?“, fragte Boerne und blickte Thiel immer noch unverwandt an.

„Vielleicht ein Strauß mit Weidenkätzchen oder Forsythien. Oder Holzschmuck aus dem Erzgebirge“, sagte Thiel und nahm sich vor, nie wieder eine Einladung Boernes zum Feiertagsessen anzunehmen.

Boernes Augenbrauen wanderten in die Höhe. „Mein lieber Thiel, Sie überraschen mich. Ich wusste gar nicht, dass Sie solch ein Kenner der traditionellen Osterdekoration sind.“

Thiel spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht stieg. Am liebsten hätte er gar nichts mehr gesagt, aber dafür war es nun eindeutig zu spät. „Internet“, sagte er leise, sein Blick starr auf den Frühstückstisch gerichtet. „Ich habe nachgeguckt, was es an typischem Schmuck zu Ostern gibt.“

Es herrschte für einen Moment Stille, und Thiel schielte zu Boerne hinüber, der ihn nachdenklich betrachtete.

„Ich verstehe“, sagte Boerne schließlich. „Da wollten wir es also beide dieses Mal besser machen und haben es ganz im Gegenteil eher schlimmer gemacht.“

Thiel nickte, erleichtert, dass Boerne nicht sauer auf ihn war.

Stattdessen lächelte Boerne ihn sogar an. „Nun ja, Thiel, wenn Ihnen wirklich so viel daran liegt, könnte ich zumindest den Tisch ein klein wenig dekorieren.“

„Gern“, antwortete Thiel, und sofort war die Anspannung zurück. Hoffentlich sagte er bloß nicht das Falsche.

Boerne nahm etwas aus seinem Geschirrschrank und stellte es auf den Esstisch.

Thiel lachte, als er sah, was es war. Eine Hasenfamilie mit Mutter, Vater und Kind, die einen Korb voller bunter Eier umringte.

„Und, was sagen Sie?“, wollte Boerne wissen und lächelte ebenfalls.

„Eine sehr filigrane Holzarbeit. Die Künstler aus dem Erzgebirge haben da wirklich ein Händchen für.“

„Das finde ich allerdings auch, Thiel,“ sagte Boerne und begann, den Kaffee einzuschenken.
Tags: fanfic, tatort münster
Subscribe

  • "Der Zwerg aus Rheingold"

    Vor einigen Tagen habe ich zusammen mit Alberich auf der Bühne gestanden. Nun, das ist vielleicht etwas übertrieben, denn eigentlich habe ich fast…

  • Thiel und Boerne heiraten

    Diese Überschrift ist jetzt nicht von mir, sondern vom WDR. :) Hier gibt es die ersten Informationen zur neuen Folge "Erkläre Chimäre", die seit…

  • Schwanensee

    "Schwanensee" lautet laut Tatort Fundus der Arbeitstitel des übernächsten Münsteraner Tatorts (nach "Mord ist die beste Medizin"). Das Drehbuch…

  • Post a new comment

    Error

    Anonymous comments are disabled in this journal

    default userpic

    Your IP address will be recorded 

  • 10 comments

  • "Der Zwerg aus Rheingold"

    Vor einigen Tagen habe ich zusammen mit Alberich auf der Bühne gestanden. Nun, das ist vielleicht etwas übertrieben, denn eigentlich habe ich fast…

  • Thiel und Boerne heiraten

    Diese Überschrift ist jetzt nicht von mir, sondern vom WDR. :) Hier gibt es die ersten Informationen zur neuen Folge "Erkläre Chimäre", die seit…

  • Schwanensee

    "Schwanensee" lautet laut Tatort Fundus der Arbeitstitel des übernächsten Münsteraner Tatorts (nach "Mord ist die beste Medizin"). Das Drehbuch…