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Auf das die Sonne bald scheint

Das ist jetzt mal wieder ziemlich fluffig geraten, aber da das Wetter hier seit Tagen miserabel ist und es viel regnet, erklärt das vielleicht, wie es zu dieser kleinen Geschichte kommen konnte. Und zumindest meine Stimmung heitert die Story ein bisschen auf. :)


Titel: Geständnis im Regen
Inhalt: Es regnet, und Thiel hofft auf eine Mitfahrgelegenheit.
Länge: ca. 600 Wörter
Genre: Fluff
Rechtserklärung: Thiel und Boerne gehören dem WDR. Ich habe sie mir nur mal kurz ausgeliehen.




Geständnis im Regen


In Münster goss es am frühen Morgen mal wieder in Strömen.

Aber wenn ich es richtig anstelle, bietet Boerne mir bestimmt an, in seinem Auto mitzufahren, dachte Thiel, und öffnete seine Wohnungstür genau in dem Moment, als er im Hausflur ein verräterisches Türenklappern hörte.

„Moin.“

„Guten Morgen, Herr Thiel“, grüßte ihn Boerne, sagte aber kein weiteres Wort, als sie hintereinander die Treppe hinuntergingen.

Thiel klimperte demonstrativ mit seinem Fahrradschlüssel, aber immer noch kam keine Reaktion von Boerne.

„Sagen Sie, wäre es möglich, dass Sie mich bei diesem Regen in Ihrem Auto mitnehmen?“, fragte Thiel daher schließlich, als sie vor die Haustür traten.

„Leider nein, Thiel“, sagte Boerne. In seinen Augen lag ein Ausdruck, den Thiel nicht recht zu deuten wusste. Er sah bedauernd und erleichtert zugleich aus.

„Ach. Fahren Sie jetzt gar nicht ins Institut?“

„Doch.“

„Aber dann könnten Sie mich doch vielleicht ...“

Boerne holte tief Luft und sagte dann mit fester Stimme: „Heute geht es beim besten Willen nicht, Thiel.“

Thiel spürte ein unerwartetes Gefühl der Enttäuschung in seiner Brust. Natürlich sparte Boerne zunächst nie an boshaften Kommentaren übers Fahrradfahren als minderes Mittel der Fortbewegung, wann immer er ihm eine Mitfahrgelegenheit anbot, aber wenn man bedachte, dass Boerne anschließend während ihrer gemeinsamen Autofahrten unaufhörlich plapperte, hätte man meinen können, dass ihm durchaus ein wenig an Thiels Gesellschaft lag.

„Na dann“, murmelte Thiel und machte einen Schritt hinaus in den Regen.

„Es könnte Ihnen etwas passieren“, ertönte Boernes Stimme in seinem Rücken. Er klang, als ob er sich entschuldigen wolle.

Thiel trat rasch zurück unter das Vordach. „Ganz genau. Ich könnte mit dem Fahrrad auf der nassen Straße wegrutschen oder mir zumindest eine üble Erkältung einfangen.“

Boerne schüttelte seinen Kopf. „Ich meinte, es könnte Ihnen etwas in meinem Auto passieren.“

„In Ihrem Auto? Was soll denn da passieren? Sie haben mich doch schon ganz oft mitgenommen.“ Bei Boernes rasanter Fahrweise war das zwar gar nicht so unwahrscheinlich, aber das hatte Boerne in der Vergangenheit doch anscheinend noch nie Sorgen bereitet.

„Heute ist Freitag, der dreizehnte“, sagte Boerne, als würde das irgendetwas erklären.

„Ja und?“

„Da werde ich Sie wohl kaum mitnehmen“, antwortete Boerne lautstark. In seinem Tonfall schwang mindestens ebenso viel Empörung mit, wie sie auf seinem Gesicht abzulesen war.

„Wieso?“

„Bedenken Sie doch nur das Risiko. Was wäre, wenn wir einen Unfall hätten? Wie sollte ich denn da jemals mit …“, Boerne stockte und fuhr dann mit viel leiserer Stimme fort, „... weiterleben.“

„Aber–“ Jetzt kam Thiel endgültig nicht mehr mit. Es schien ihm, dass er einen ganz wesentlichen Teil ihres Gesprächs nicht verstanden hatte.

„Das ist mir einfach viel zu … Dazu sind Sie mir viel zu ...“, setzte Boerne an, aber erneut wurde er immer leiser und brach schließlich ab. Eine zarte Röte, die ihn ein bisschen wie einen kleinen Jungen aussehen ließ, legte sich auf seine Wangen, und für einen Moment fixierte er Thiels linkes Ohr, bevor er seinen Blick ganz abwandte. „Ich muss jetzt wirklich los, Thiel“, sagte er und rannte zu seinem Wagen.

Thiel sah dem wegfahrenden Auto eine ganze Weile hinterher und versuchte, sich darüber klar zu werden, ob Boerne wirklich gerade das angedeutet hatte, von dem er glaubte, dass Boerne es angedeutet hatte.

Immer noch in Gedanken ging er zu seinem Fahrrad hinüber.

Als Thiel ein paar Minuten später Münsters nasse Straßen entlangfuhr und der Regen seine Jacke völlig durchweichte, kam es ihm so vor, als führe er durch den schönsten Sonnenschein.


* * *


Und noch was ganz anderes: Am Mittwoch habe ich den Film Berlin '36 gesehen, da ich ihn noch nicht kannte. Da gibt es mehrere Szenen, in denen ein „Haus des Sports“ gezeigt wird, und jedes Mal dachte ich, dass das doch dem Innenhof unseres Rathauses sehr ähnlich sieht. Dank Google weiß ich nun, dass es unser Rathaus ist. :)
Tags: axel prahl, fanfic, tatort münster
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