Thiel solo

Es ist immer noch sehr warm

Ich habe gestern die Wiederholung der Folge Herrenabend gesehen, in der Thiel ja nicht ganz uninteressiert an Leonie Krassnik ist. Trotzdem ist mir zu Beginn die kurze Szene aufgefallen, in der die Staatsanwältin Boerne gegenüber andeutet, dass Münster sich unter bestimmten Umständen nach einem neuen Rechtsmediziner umsehen müsse, und Thiel dann in einem recht anzüglichen Ton sagt: "Vielleicht mal einen jungen, netten." Was hat das denn zu bedeuten? ;)

* * *

Da es ja gestern im Verlauf des weiteren Tages immer noch sehr heiß war und heute auch nicht gerade kühl, habe ich noch eine weitere hitzeinspirierte Geschichte geschrieben. Man merkt's dem Plot wahrscheinlich an, dass ich nicht ganz klar im Kopf war. Aber was soll's. :)

Während Sommerfarbe I und Sommerfarbe II nur insofern zusammenhingen, als sie beide von warmen Sommertagen inspiriert wurden, ist Sommerfarbe III tatsächlich eine Fortsetzung, sodass es wohl besser wäre, Sommerfarbe II vorher gelesen zu haben.


Titel: Sommerfarbe III
Inhalt: Ein nachbarschaftlicher Gefallen hat Folgen.
Länge: ca. 750 Wörter
Genre: Freundschaft, Pre-Slash
Rechtserklärung: Thiel und Boerne gehören dem WDR. Ich habe sie mir nur mal kurz ausgeliehen.



Sommerfarbe III


Boerne sank erleichtert auf seinen Küchenstuhl, als er die Wohnungstür klappen hörte.

Während er noch Thiels Rücken mit Sonnenmilch eingecremt hatte, waren ihm plötzlich die Knie weich geworden. Alles hatte begonnen, sich irgendwie zu drehen, und sein Kopf fühlte sich seltsam warm an. Mit zitteriger Hand goss er sich ein Glas Wasser ein und nahm einen kleinen Schluck.

Heliosis oder Sonnenstich im Volksmund. Genau, es musste sich um einen Sonnenstich handeln.

Er war zwar heute noch gar nicht draußen gewesen, aber wer wusste schon, was für Auswirkungen extreme Sommerhitze in Kombination mit globaler Erderwärmung und dem Ozonloch auf einen empfindlichen menschlichen Organismus wie den seinen hatte. Das war ja noch längst nicht alles erforscht.

Boerne fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Der Geruch von Thiels Sonnenmilch haftete noch daran und stieg ihm in die Nase, und die Temperatur in seinem Kopf stieg weiter an. Er trank noch einen Schluck Wasser und atmete tief durch. Zumindest der Schwindel schien langsam nachzulassen.

„Ich habe meine Wohnungsschlüssel hier … Was ist denn mit Ihnen los? Ist Ihnen nicht gut?“

„Thiel!“, rief Boerne, als sein Nachbar unerwartet in der Küchentür stand, und stieß sein Glas um. Er sprang auf, damit sich das Wasser nicht vom Tisch auf seine Anzughose ergoss, und sofort drehte sich wieder alles um ihn, sodass er sich auf den Tisch stützen musste.

„Boerne?“ Thiel kam näher und fasste ihn an der Schulter. „Setzen Sie sich“, sagte er und drückte ihn vorsichtig auf den Stuhl zurück. „Was haben Sie denn?“

„Nichts, nichts, es geht gleich schon wieder.“ Zumindest hoffte Boerne das. Eine Heliosis war das wohl doch nicht, dazu waren die Symptome zu unspezifisch, aber eine andere Erklärung hatte er auch nicht parat.

Er blickte hoch in Thiels besorgtes Gesicht, und mit einem Mal erinnerte sich, dass er schon einmal ganz ähnliche Symptome gehabt hatte. Hitzewellen, Schwindel und leichte Orientierungslosigkeit. Damals hatte er gerade seine Frau, seine heutige Ex-Frau kennengelernt, und seine Sinne waren ihr buchstäblich erlegen.

Aber daran konnte es ja wohl diesmal …

Für einen Moment blieb ihm der Atem weg. Dann senkte er rasch seinen Blick und versuchte, ein wenig von Thiel abzurücken. Er räusperte sich. „Gehen Sie ruhig hinüber auf Ihren Balkon und genießen Sie Ihr Sonnenbad. Mir fehlt nichts.“

„Nicht so schnell, Boerne, Sie sehen immer noch ungesund rot aus.“ Thiel trat direkt an ihn heran und legte ihm seine Hand auf die Stirn. „Komisch. So warm fühlen Sie sich gar nicht an.“

Das musste täuschen, dachte Boerne und schluckte schwer, denn er konnte spüren, wie sein Kopf noch einmal heißer wurde.

Und dass er sich nun plötzlich in Augenhöhe mit Thiels nackter Brust befand, half auch nicht wirklich. Er sah, wie sich dessen Brustkorb, der von der Sonnenmilch leicht glänzte, gleichmäßig hob und senkte. Er könnte seine Hand ausstrecken, Thiels Wärme spüren, seine Haut, seine Muskeln, so wie er sie vorhin gespürt hatte, als er Thiels Rücken eingecremt hatte.

Aber er sollte Thiel wirklich nicht länger von seinem Sonnenbad abhalten. Sonst verlor die Sonnenmilch noch ihre Wirkung, bevor Thiel sich überhaupt auf seinen Balkon gesetzt hatte.

„Mit mir ist alles in Ordnung, Thiel. Sehen Sie?“ Abrupt stand Boerne auf, in der Hoffnung, dass er Thiel beweisen konnte, dass dies nicht nur leere Worte waren. Zum Glück gehorchte ihm sein Körper und schwankte weder, noch klappte er zusammen.

Thiel war einen Schritt zurückgetreten und betrachtete Boerne eingehend. „Sind Sie sicher?“

Boerne nickte. In seinem Kopf drehte sich alles noch heftiger als zuvor, aber Thiels Gegenwart würde ihm da im Moment nicht helfen. Im Gegenteil. Er musste allein sein. Er musste nachdenken.

„Also gut“, sagte Thiel zögerlich. Er griff nach dem Wasserglas und füllte es erneut. „Hier, trinken Sie das, und dann ruhen Sie sich noch ein bisschen aus. Ich werde später nochmal nach Ihnen sehen.“

Boerne kannte Thiel zu gut, um nicht zu wissen, dass dieser sich davon nicht abbringen lassen würde. „Wenn Sie meinen“, sagte er daher und ließ sich wieder auf den Stuhl nieder, bevor er die Worte „Aber vielleicht tragen Sie dann lieber ein T-Shirt“ hinterherschickte.

Wahrscheinlich ließ er dabei seinen Blick eine Spur zu lang auf Thiels Oberkörper ruhen, denn er glaubte, so etwas wie Erkenntnis in Thiels Augen aufblitzen zu sehen.

Boerne merkte, wie ihm wieder das Blut ins Gesicht schoss. „Bitte gehen Sie jetzt, Thiel.“

Thiel schien ihm endlich zu glauben, dass er ihm nicht helfen konnte, denn er warf ihm nur einen kurzen Blick zu, nahm seinen Wohnungsschlüssel vom Tisch und ließ ihn allein.
  • Current Mood: drained drained
:)
Definitiv mein Lieblingssatz: Er war zwar heute noch gar nicht draußen gewesen, aber wer wusste schon, was für Auswirkungen extreme Sommerhitze in Kombination mit globaler Erderwärmung und dem Ozonloch auf einen empfindlichen menschlichen Organismus wie den seinen hatte. Das war ja noch längst nicht alles erforscht.
Das ist perfekt boerne.
Der Satz, den Gabi rausgepickt hat, war auch gleich der, auf den ich angesprungen bin. Herrlich!! :D
Da hat es den armen Boerne aber ziemlich erwischt bei dir. Ich hab's ja eigentlich nicht mit den beiden, wenn sie verliebt sind - aber ich möchte jetzt schon gerne wissen, wie es weitergeht! *Neugierde*
Danke! :)

Ob und wie es weitergeht, hängt davon ab, ob die Wettervorhersage für morgen recht behält. Ich hätte da noch eine Idee für eine letzte kleine Geschichte. Mal sehen, ob's was wird.
Dann will ich uns mal ganz feste die Daumen drücken für eine inspirierende Großwetterlage. xD
Ich sehe mal, was ich machen kann. :)

Ich sollte auch ins Bett. Wenn es doch bloß nicht so heiß in meinem Schlafzimmer wäre ...
Das trägt jetzt nicht gerade dazu bei, mein Kopfkino zurückzupfeifen ...

Und ich muß sagen, daß das heiße Wetter meinetwegen gerne noch länger anhalten darf, wenn es Dich so kreativ macht :)

Er blickte hoch in Thiels besorgtes Gesicht, und mit einem Mal erinnerte sich, dass er schon einmal ganz ähnliche Symptome gehabt hatte.
Ich mag Boernes Selbstdiagnose :) Hat zwar 'ne Weile gedauert, aber mit dem Ergebnis bin ich zufrieden ...

Edited at 2012-08-20 09:27 pm (UTC)
Das freut mich natürlich, obwohl die Geschichte doch echt harmlos ist. :)

Äh, na ja, die Wettervorhersage lautet ein bisschen anders. Das könnte mir aber auch storytechnisch ganz gut passen. ;)

aber mit dem Ergebnis bin ich zufrieden ...

Hoffentlich ist Boerne auch damit zufrieden. ;)
Definitiv mein Lieblingssatz: Er war zwar heute noch gar nicht draußen gewesen, aber wer wusste schon, was für Auswirkungen extreme Sommerhitze in Kombination mit globaler Erderwärmung und dem Ozonloch auf einen empfindlichen menschlichen Organismus wie den seinen hatte. Das war ja noch längst nicht alles erforscht

Ich schließe mich der Meinung von den anderen an^^ Einfach nur geil. Ich habe übrigens Herrenabend auch gesehen. War schon fies wie Thiel durch den Schnee stampfen konnte, während ich auf den Sofa fast eingegangen bin. War auch süß wie selbstverständlich Boerne sich bei ihn einquartiert hatte.^^
Ich hoffe du schreibst noch eine weitere Fortsetzung, damit wir erfahren wie Boerne mit seinen neuen Erkenntnissen lernt umzugehen.^^
In meinen Schlafzimmer ist es übrigens kühl. dank Deckenventilator.^^
Danke. :) Ich will zumindest heute und / oder morgen versuchen, noch eine Fortsetzung zu schreiben.

Ich hatte ganz vergessen, dass Herrenabend im Winter spielt. Das war bei den hier herrschenden Temperaturen schon surreal, den Schnee zu sehen.