veradee (veradee) wrote,
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Krawumm ...

... müsste es jeden Moment auf dem Schlossplatz in Münster machen, wo zurzeit Send ist und heute Abend das Feuerwerk stattfindet. Eigentlich sollte die Geschichte schon gestern fertig sein, aber es kam anders. Vielleicht ist das aber besser so, denn sonst wärt Ihr bestimmt alle spontan nach Münster gefahren, um jetzt nach Thiel und Boerne Ausschau zu halten. So können die beiden den Abend wenigstens (fast) ganz allein genießen.

Und man glaubt es gar nicht, aber mit dieser Geschichte erfülle ich das dritte Prompt von de_bingo.


Titel: Hauptgewinn
Prompt: Feuerwerk
Inhalt: Es ist Send, und Thiel und Boerne stellen sich der Öffentlichkeit.
Länge: ca. 2650 Wörter
Genre: etablierte Beziehung, Romanze, Kitsch
Rechtserklärung: Thiel, Boerne und Co. gehören dem WDR. Ich habe sie mir nur mal kurz ausgeliehen.



Hauptgewinn


Thiel stützte sich auf seinen Ellenbogen und sah auf Boerne hinunter, der ihn glücklich und zufrieden anlächelte. „So, und jetzt auf. Sonst verpassen wir das Feuerwerk.“

„Habe ich dir nicht gerade erst ein spektakuläres Feuerwerk bereitet?“, fragte Boerne, schlang seine Arme um Thiel und zog ihn wieder enger an sich.

Thiel lachte und gab Boerne einen flüchtigen Kuss. „Doch hast du. Aber ich habe deine Taktik durchschaut. Glaubst du, ich habe nicht gemerkt, dass du mich damit von der Kirmes abhalten wolltest?“

„Send“, korrigierte ihn Boerne, besserwisserisch wie immer, bevor er fragte, „Meinst du, dort wird dir ein besseres Feuerwerk geboten?“ Sein Blick verriet Thiel, dass er die Frage nicht ganz so spielerisch meinte, wie es sein Tonfall Thiel glauben machen sollte.

„Fünfzehn Minuten lang. Stand in der Zeitung.“

„Und du glaubst, was du in der Zeitung liest?“ Boerne löste sich von Thiel und ließ sich ins Kissen zurückfallen. „Heute Abend wird halb Münster dort sein. Vielleicht sollten wir doch eine andere Gelegenheit–“

„Kurz und schmerzlos. Das waren deine Worte“, unterbrach Thiel ihn und schwang seine Beine aus dem Bett.

Als Boerne nichts erwiderte, drehte er sich zu ihm um. „Boerne?“

Boerne wandte ihm langsam sein Gesicht zu. „Und eine richtige Gelegenheit gibt es sowieso nicht. Ich weiß.“

Thiel griff nach Boernes Hand, die auf der Bettdecke lag, und strich mit seinem Daumen ein paar Mal sanft über Boernes Handrücken. Glücklicherweise verstand Boerne fast immer, was er sagen wollte, wenn ihm die eigentlichen Worte fehlten, und drückte Thiels Hand.

Dann packte Thiel fester zu und zog Boerne mit einem Ruck halb in seine Arme. „Und außerdem mag ich Feuerwerke. Und Kirmes und Bratwurst und Popcorn.“

„Was du nicht sagst“, antwortete Boerne lächelnd, bevor er die Bettdecke zurückschlug, um ebenfalls aufzustehen.


* * *


Als Thiel die Menschenmassen sah, die sich zwischen Buden, Karussell und Autoscooter auf dem Schlossplatz tummelten, überkam ihn ein Moment der Unsicherheit, aber er wusste zugleich, dass sie das Richtige taten. Sie waren an dem Punkt angekommen, ab dem es ihrer Beziehung eher schaden als nützen würde, sie weiterhin vor der Öffentlichkeit geheim zu halten.

Obwohl er zugeben musste, dass die Situation für Boerne sicherlich schwieriger war, weil der tatsächlich halb Münster kannte, wohingegen er selbst seine Bekanntschaften an einer Hand abzählen konnte. Nichtsdestotrotz sollten sie jetzt keinen Rückzieher machen.

Entschlossen drängte Thiel sich zwischen den ersten Kirmesbesuchern hindurch und blickte sich dabei ständig um, um sicherzustellen, dass Boerne nicht von dem entgegenkommenden Menschenstrom in die falsche Richtung mitgerissen wurde – gewollt oder ungewollt.

In dieser Hinsicht schien allerdings keine Gefahr zu bestehen, denn Boerne blieb ihm direkt auf den Fersen, was dazu führte, dass er Thiel bei jedem zweiten Schritt in die Hacken trat.

„Darüber“, schrie Boerne ihm ins Ohr, und ein Arm wedelte in Thiels Gesichtsfeld herum, bevor die gebrüllte Erläuterung folgte: „Achterbahn. Hinterm Riesenrad.“

Gehorsam orientierte sich Thiel nach rechts, aber sie waren noch nicht mal bis zum Riesenrad vorgedrungen, als plötzlich die Staatsanwältin mitten im Gewühl vor ihnen stand.

„Guten Abend, die Herren.“

Thiel nickte ihr einen Gruß zu, während Boerne ihr ein selbst für seine Verhältnisse unnatürlich überschwengliches „Guten Abend, Frau Klemm“ zurief.

„Ganz allein unterwegs?“, fragte Thiel.

Die Staatsanwältin schüttelte den Kopf. „Mit Kollegen. Wir wollten uns das Feuerwerk ansehen.“

„Wir auch“, unterbrach Thiel sie, und erst, als die Klemm schon weitersprach, fiel ihm auf, dass ihm das „wir“ ohne zu zögern über die Lippen gekommen war.

„... aber für mich ist der Abend zu Ende. Die Crêpes sind mir leider nicht so ganz bekommen. Oder die Achterbahn. Oder beides.“

„Schade“, sagte Thiel und stand kurz davor, Boerne den Ellenbogen in die Rippen zu stoßen, damit dieser auch etwas zur Konversation beisteuerte, als die Staatsanwältin sich glücklicherweise verabschiedete.

Thiel warf Boerne einen Blick zu und konnte ihm förmlich ansehen, wie erleichtert er war, dass die Klemm keine spitze Bemerkung gemacht hatte.

Die Staatsanwältin war schon einen Schritt entfernt, als sie so laut sagte, dass es trotz der Musik und des Gekreisches um sie herum nicht zu überhören war: „Dann einen schönen romantischen Abend noch.“

Thiel schnellte zu ihr herum, aber sie ging weiter, ohne sich noch einmal nach ihnen umzudrehen.

„Naja“, sagte er, als er sich wieder Boerne zuwandte, und spürte selbst so etwas wie eine gewisse Erleichterung, „das hätte schlimmer kommen können.“

Boerne sah nachdenklich aus. „Ich habe den Verdacht, dass sie es schon geahnt hat. Sonst hätte sie zweifellos mehr zu sagen gehabt.“


* * *


Sie hatten am Süßigkeitenstand Halt gemacht, denn Thiel bestand trotz Boernes Protesten wegen des hohen Zuckergehalts darauf, gebrannte Mandeln zu kaufen.

„Ein Kirmesbesuch ohne gebrannte Mandeln ist kein Kirmesbesuch“, sagte er, als er die Papiertüte öffnete, eine der klebrigen Süßigkeiten herausfischte und sich in den Mund steckte. „Außerdem kannst du mir nicht weismachen, dass du keine Mandeln magst.“

„Da muss ich dir gar nichts weismachen. Ich mag gebrannte Mandeln, aber ich esse eben nicht alles, was ich mag.“

„Das wollen wir doch mal sehen“, sagte Thiel grinsend, während er erneut in die Tüte griff. Zuerst steckte er sich selbst eine Mandel in den Mund, dann guckte er sich rasch um und schob eine zweite zwischen Boernes Lippen, bis dieser widerstrebend seinen Mund öffnete.

Boerne fing an zu kauen, aber er hatte seine Mandel noch nicht hinuntergeschluckt, als er aufstöhnte.

„Was ist? Hast du dich verschluckt?“

Boerne schüttelte den Kopf. „Da vorn ist schon die Nächste. Früher war der Schlossplatz definitiv größer, weitläufiger“, sagte er und versuchte, sich wegzudrehen, aber es war zu spät.

Mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht kam ihnen Alberich entgegen. „Darauf habe ich ja schon lange gewartet, Sie beide mal in flagranti zu erwischen“, rief sie, was Boerne nun doch dazu brachte, sich zu verschlucken.

„Was soll das … das denn heißen?“, brachte er zwischen zwei Hustenanfällen hervor, was den empörten Klang in seiner Stimme erheblich minderte.

Thiel klopfte ihm auf den Rücken. Das hatte den Vorteil, dass er so von seiner eigenen Unsicherheit ablenken konnte. Der Abend verlief ganz und gar nicht so, wie er angenommen hatte. Wahrscheinlich sollte er sich freuen, dass anscheinend schon alle Bescheid wussten. Und dass keiner ein Problem damit hatte.

Dass diese Einschätzung richtig sein musste, zeigte ihm ein Blick in Alberichs Gesicht, denn sie zwinkerte mit den Augen und lachte sie fröhlich an.

„Sie brauchen gar nichts abzustreiten, Chef“, sagte sie, nachdem sich Boerne wieder beruhigt hatte. „Selbst wenn ich nicht schon vorher einen Verdacht gehabt hätte, wäre der Anblick gerade eben Beweis genug.“

Boerne öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Offensichtlich wurde er vom Verlauf der Ereignisse auch etwas überrumpelt.

Alberich schien ihre Verwirrung zu registrieren, denn sie lachte laut auf.

Boerne setzte noch einmal an, aber Alberich hob abwehrend ihre Hände. „Ich will Ihr Tête-à-tête auch gar nicht weiter stören. Ich bin am Riesenrad verabredet, und wenn ich nicht pünktlich da bin, fahren meine Freunde ohne mich.“

Jetzt fing sich Boerne doch noch, denn er machte eine seiner üblichen Anzüglichkeiten wegen ihrer Größe.

Aber Alberich schüttelte den Kopf. „Schwach, Chef, ganz schwach“, sagte sie, bevor sie sich auf die Suche nach ihren Freunden machte.


* * *


Nachdem sie sich von ihrer Verblüffung erholt hatten, steuerte Thiel mit Boerne im Schlepptau den Schießstand an. Wie üblich, war ein Gewinn unnützer als der nächste, aber beim Schießen hatte Thiel noch nie widerstehen können.

„Such Dir schon mal etwas aus“, sagte er zu Boerne, während er darauf wartete, dass der Budenbesitzer ihm das Gewehr aushändigte.

„Wie?“

„Ich treffe hier alles. Du kannst Dir was aussuchen“, wiederholte Thiel und legte an, ohne Boernes Antwort abzuwarten. Sekunden später hatte er die fünf Ziele abgeschossen, und der verdutzte Budenbesitzer deutete auf die kleine Auswahl an Hauptgewinnen.

Aber Thiel hatte etwas anderes entdeckt. „Nee, ich nehme lieber das da“, sagte er schnell, bevor Boerne doch noch einen Wunsch äußern konnte.

Er nahm seinen Gewinn entgegen und hängte ihn Boerne um den Hals, der sofort protestierte, als er das Lebkuchenherz erblickte.

„Auf keinen Fall!“

„Du wirst doch kein Geschenk von mir ablehnen wollen“, sagte Thiel mit einem gespielt vorwurfsvollen Unterton, und zu seiner Überraschung wurde Boerne rot.

„Nein“, murmelte Boerne erst leise, um dann in einem ernsten Tonfall, der Thiels Herzschlag beschleunigte, zu wiederholen: „Nein.“ Dann sah er auf das Herz hinab. „Aber damit kann ich hier doch nicht–“ Er unterbrach sich und blickte zu Thiel auf. „Andererseits sind wir ja genau deswegen hier, nicht wahr?“, fragte er und rückte wie zur Bestätigung das Herz zurecht, sodass niemand die Schrift aus Zuckerguss übersehen konnte: Du bist mein Hauptgewinn.

Thiels Herz klopfte noch ein bisschen schneller.


* * *


Nachdem Thiel mindestens fünf Mal mit den Worten „Ich bin doch nicht lebensmüde“ abgelehnt hatte, war Boerne schließlich allein in die Achterbahn gestiegen, und Thiel stand wartend in der Nähe des Ausgangs, wo Boerne nach seiner Fahrt wieder herauskommen musste. Boernes Lebkuchenherz hing ihm um den Hals, und in seiner Hand hielt er dessen Hosentascheninhalt: Schlüssel, Handy und Kleingeld.

„Chef!“

Er sah sich um, konnte aber in dem Getümmel um ihn herum niemanden erblicken. Wahrscheinlich hatte er sich getäuscht.

„Chef!“

Doch, da war Nadeshda. Sie löste sich aus einer Gruppe junger Leute, die einen Tisch am Bierstand umringten und kam zu ihm hinüber.

„Hallo, Chef.“

„N'Abend, Nadeshda.“

„Sind Sie allein ... ach nee, ich sehe schon.“ Sie zeigte auf das Lebkuchenherz. „Wie süß. Wer hat das denn für Sie gewonnen?“, fragte sie und wurde augenblicklich rot. Anscheinend hatte sie schon ein, zwei Biere genossen, denn normalerweise war sie immer sehr zurückhaltend, was Gespräche über Thiels und auch ihr eigenes Privatleben betraf.

„Das ist nicht meines. Ich habe es für B– … für meine Begleitung geschossen“, sagte Thiel und verfluchte sich augenblicklich wegen seiner plötzlichen Feigheit.

„Ihre Begleitung? Wo ist sie denn?“

Darauf zu antworten, erübrigte sich, denn im selben Moment sauste Boerne auf der Achterbahn vorbei und winkte Thiel zu.

„War das Professor Boerne?“

Thiel nickte.

Es dauerte einen Moment, bis Nadeshda den Zusammenhang begriff. „Professor Boerne ... ist Ihre … Ihre Begleitung?“

Thiel nickte noch einmal.

Nadeshda sah ihn mit großen Augen an. Dann räusperte sie sich und murmelte: „Das ist ja schön … für Sie beide. Aber ich muss dann auch mal wieder. Wir sehen uns Montag im Büro.“ Sie hastete so schnell davon, dass sie Thiels „Tschüss“ wahrscheinlich gar nicht mehr hörte.

Er fühlte einen leichten Ärger in sich aufsteigen. Denn so unerwartet es für ihn gewesen war, dass sowohl die Klemm als auch Alberich offensichtlich schon längst Bescheid gewusst hatten, so sehr irritierte ihn nun Nadeshdas Reaktion. Aber natürlich war das ungerecht von ihm. Schließlich hatte er ursprünglich genau mit dieser Art von Reaktion gerechnet. Und wie sollte man auch anders als überrascht und vielleicht etwas verlegen reagieren, wenn man sonst eher selten Privates austauschte und nun erfuhr, dass der Chef eine Beziehung zu einem Mann hatte?

Plötzlich stand Boerne neben ihm. „Was ist mit dir? Du siehst bedrückt aus.“

„Es ist nichts. Ich habe gerade Nadeshda getroffen. Sie hatte offensichtlich keine Ahnung von uns beiden, aber das ist schon okay. Bis Montag wird sie sich an den Gedanken gewöhnt haben.“

Boerne sah ihn scharf an. „Sicher?“

Thiel lächelte. Ab und zu verblüffte es ihn immer noch, wie aufmerksam und einfühlsam Boerne sein konnte, aber er genoss es, wieder jemanden zu haben, der ein Gespür für seine Stimmungen hatte.

„Ganz sicher“, antwortete er, nahm das Lebkuchenherz ab und hängte es wieder um Boernes Hals.


* * *


Nachdem er bezahlte hatte, drehte Thiel sich um, eine Bratwurst mit Senf in der Hand, und sah direkt Herbert ins Gesicht. Hinter ihm stand Boerne und zuckte entschuldigend mit den Schultern.

„War ja klar, dass mein Sohn nicht weit ist, wenn es irgendwo Bratwürste gibt.“

„Und was ist das da?“, fragte Thiel empört und deutete auf die Pappschale, die Herbert in der Hand hielt.

„Das sind asiatische Nudeln. Die sind viel bekömmlicher als deine fettige Wurst.“ Herbert warf einen missbilligenden Blick darauf.

„Lass gut sein, Vaddern“, antwortete Thiel und biss demonstrativ in seine Bratwurst. „Was machst du überhaupt hier? Ich dachte, an einem Abend wie heute würdest du das Geschäft deines Lebens mit den ganzen Bierleichen machen.“

„Eben. Der Abend ist noch lang. Da brauche ich eine kleine Stärkung.“ Herbert wandte sich an Boerne, der neben Thiel getreten war. „Sie müssen besser auf ihn aufpassen.“

„Vaddern!“

„Was denn? Ihr wollt doch sicher noch länger gesund und munter zusammen sein, oder ist das nur eine kurze Affäre?“

„Vaddern!“

„Was? Seid ihr doch nicht zusammen?“

Thiel schloss für einen Moment die Augen. Nun zeigte sich, dass Boernes und seine Bedenken doch nicht ganz unbegründet gewesen waren, auch wenn Herbert wahrscheinlich kein Problem mit ihnen beiden hatte, sondern einfach nur grundsätzlich nervte. „Doch“, antwortete Thiel mit einem Seufzen, aber er fühlte sich gleich etwas besser, als er Boernes Hand auf seinem Rücken spürte. Dankbar lehnte er sich kurz in die Berührung.

Herbert entging ihr Austausch allerdings offensichtlich nicht, denn er grinste wissend.

Hoffentlich war sein Vater der letzte, dem sie hier begegneten, dachte Thiel, und wartete darauf, dass sich Herbert verabschiedete. Aber eines musste er doch noch fragen. „Woher hast du es gewusst?“

„Habe ich gar nicht. Darüber müssen wir übrigens noch reden. Dass du mich so im Dunkeln gelassen hast“, sagte Herbert, während er den letzten Bissen Nudeln in seinen Mund schaufelte. „Ich habe da drüben deine kleine Assistentin getroffen, diese Nadeshda. Die Ärmste war ganz verwirrt.“ Er warf seine leere Pappschale in einen Abfalleimer. „So, ich muss zum Auto zurück. Sonst schnappen mir die Kollegen die ganzen Touren weg. Macht's gut, Ihr beiden.“

Thiel sah erst seinem Vater hinterher und dann auf seine angebissene Bratwurst hinunter, die mittlerweile kalt geworden war. Aber der Appetit war ihm eh vergangen, sodass er sie ebenfalls in den Abfallbehälter warf.


* * *


Zusammen mit Tausenden anderer Kirmesbesucher standen sie auf dem Schlossplatz, guckten in den Abendhimmel und warteten, dass es neun Uhr wurde. Jeden Moment musste es soweit sein.

Feuerwerke versetzten Thiel immer in eine merkwürdige Stimmung, euphorisch und melancholisch zugleich. Aber diesmal, mit Boerne an seiner Seite, war er sich ganz sicher, dass die Euphorie überwiegen würden.

Als die ersten Raketen den Himmel erleuchteten, trat Boerne noch dichter hinter ihn, und Thiel ließ sich zurücksinken, bis er gegen Boernes Oberkörper lehnte. Hier in dem Gewühl würde es sicherlich niemandem auffallen, wenn sie so eng beisammenstanden.


* * *


„Ich bin doch ganz froh, dass du mich aus dem Bett aufgescheucht hast“, murmelte Boerne in sein Ohr, als die letzten Funken am Himmel verglühten.

„Ich auch“, antwortete Thiel und griff nach Boernes Hand, um sie kurz zu drücken. „Ich bin auch froh, dass wir hierher gekommen sind.“

Langsam lösten sie sich voneinander, aber anstatt die Kühle des Herbstabends zu spüren, fühlte Thiel eine innere Wärme. Es schien ihm, dass sie einander an diesem Abend noch näher gekommen waren.

Sie lächelten sich zu, aber dann wurde der Zauber durch die Menschen um sie herum, die an ihnen vorbei drängten, um zur Achterbahn oder zum Popcornstand zu gelangen, gebrochen.

„Das war wirklich schön“, sagte Thiel, „aber du hattest Recht mit der Zeitungsankündigung. Das Feuerwerk war nie im Leben eine Viertelstunde lang. Höchstens zehn Minuten.“

Boerne lachte und legte ihm für einen Moment den Arm um die Schulter. „Sag ich doch.“

„Und was machen wir jetzt? Willst du noch bleiben?“

„Jetzt gehen wir nach Hause“, sagte Boerne mit einem geheimnisvollen Unterton in der Stimme.

„Und dann?“

„Dann zeige ich dir, was ein richtiges Feuerwerk ist.“

Thiel grinste. „Fünfzehn Minuten lang?“

„Mindestens.“
Tags: fanfic, tatort münster
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